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Für eine Schweiz mit Zukunft: Warum die 10-Millionen-Initiative Wohlstand, Menschenrechte und Zusammenleben gefährdet

Die Schweiz steht vor einer wegweisenden Richtungsentscheidung. Die von der SVP lancierte Nachhaltigkeits-Initiative («Keine 10-Millionen-Schweiz») verlangt eine starre Begrenzung der ständigen Wohnbevölkerung. Was wie ein einfacher Schutz vor Überlastung klingt, erweist sich bei genauerer Betrachtung als folgenschweres Experiment. Die Vorlage bekämpft die realen Herausforderungen unserer Infrastruktur mit den falschen Mitteln und gefährdet das Fundament unseres Landes.



Für die Community von Zusammen Schweiz ist klar: Wir sagen aus voller Überzeugung NEIN zu dieser Vorlage.


Eine zukunftsorientierte Schweiz setzt auf Kooperation, humanitäre Verantwortung und eine kluge, soziale Gestaltung des Wachstums statt auf planwirtschaftliche Abschottung.


1. Wohlstand und Wirtschaft in Gefahr: Wer sichert morgen unsere Spitäler und Betriebe?


Ein gesetzlicher oder verfassungsrechtlicher Zuwanderungsstopp trifft die Schweizer Wirtschaft in einer Phase, in der der Fach- und Arbeitskräftemangel bereits historisch hohe Ausmasse angenommen hat. Unsere Gesellschaft altert rapide; Unternehmen, Spitäler, Pflegeheime, IT-Dienstleister und das Handwerk sind dringend auf qualifizierte Verstärkung angewiesen.


  • Die Fakten zur Erwerbstätigkeit: Entgegen der Behauptung, die Zuwanderung belaste primär die Sozialwerke, zeigen die Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) ein völlig anderes Bild: Rund 74 % der im erwerbsfähigen Alter (15–64 Jahre) in der Schweiz lebenden Ausländerinnen und Ausländer sind aktiv erwerbstätig. Sie arbeiten, zahlen Steuern und sichern durch ihre Beiträge direkt das Umlageverfahren unserer AHV.


  • Das Risiko der «Guillotine-Klausel»: Um die Ziele der Initiative umzusetzen, müsste die Schweiz das Personenfreizügigkeitsabkommen (FZA) mit der Europäischen Union einseitig kündigen oder ausser Kraft setzen. Durch die im Vertragswerk der Bilateralen Verträge I verankerte Guillotine-Klausel würde dies automatisch dazu führen, dass alle anderen Abkommen – vom Abbau technischer Handelshemmnisse bis hin zur Forschungszusammenarbeit – innerhalb von sechs Monaten erlöschen. Das wäre ein wirtschaftlicher Schock für unseren Exportsektor.


2. Die AHV im Würgegriff: Gefährdung des Umlageverfahrens und unserer Renten


Ein zentraler, aber oft übersehener Aspekt der Vorlage betrifft die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV). Die Initiative gefährdet direkt die finanzielle Stabilität unseres wichtigsten Sozialwerks, indem sie das demografische Fundament der Altersvorsorge erschüttert.


  • Das Prinzip des Umlageverfahrens: Die AHV funktioniert nach dem Solidaritätsprinzip der Generationen. Das bedeutet: Die heutigen Erwerbstätigen finanzieren mit ihren Lohnabzügen direkt die Renten der heutigen Pensionierten. Es wird kein Kapital angespart, sondern das Geld wird sofort umverteilt. Damit dieses System aufgeht, braucht es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern.


  • Die demografische Schere: Die Generation der Babyboomer geht derzeit massenhaft in Pension, während aufgrund der niedrigen Geburtenraten viel zu wenige junge Beitragszahler nachrücken. Ohne den Zuzug von ausländischen Arbeitskräften im erwerbsfähigen Alter würde die Zahl der Beitragszahler rasant schrumpfen.


  • Die Folgen eines JA für die Rentner: Würde die Zuwanderung durch ein starres Limit künstlich abgewürgt, fehlen der AHV schlagartig Milliarden an Lohnbeiträgen. Um die Renten der rasant wachsenden Zahl an Pensionierten dennoch zu sichern, blieben dem Staat nur drei schmerzhafte Optionen: Eine massive Erhöhung der Lohnabzüge für die verbleibenden Erwerbstätigen, eine Erhöhung der Mehrwertsteuer oder ein schrittweiser Abbau der Rentenleistungen (bzw. eine weitere Erhöhung des Rentenalters). Die Initiative gefährdet somit die finanzielle Sicherheit künftiger und heutiger Rentnergenerationen.


3. Die Fakten zur Sozialhilfe: Keine Einwanderung in das Sozialsystem


Ein häufig vorgebrachtes Argument der Befürworter ist die Angst vor einer unkontrollierten Belastung unserer sozialen Netze. Die offiziellen Kennzahlen der letzten zehn Jahre zeichnen jedoch ein gänzlich anderes Bild.


  • Sinkende Sozialhilfequoten: Die Sozialhilfequote unter der ausländischen Wohnbevölkerung ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gesunken. Dank der hervorragenden wirtschaftlichen Lage und der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften reisen Menschen primär ein, um direkt eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Die Zuwanderung der letzten Dekade war somit eine Zuwanderung direkt in den Arbeitsmarkt.


  • Die Rolle der Gesetzgebung von 2019: Mit der Revision des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG) im Jahr 2019 wurden die ausländerrechtlichen Konsequenzen beim Bezug von Sozialhilfe massiv verschärft. Der Bezug kann für Ausländerinnen und Ausländer (selbst mit langjähriger Niederlassungsbewilligung C) zum Entzug oder zur Rückstufung des Aufenthaltsstatus führen. Dies hat die Fallzahlen und somit die fiskalischen Gesamtausgaben weiter stabilisiert und gesenkt.


  • Asylsozialhilfe ist nicht gleich reguläre Sozialhilfe: Zwar gab es durch globale Krisen – wie zuletzt den Krieg in der Ukraine und den Status S – punktuelle Schwankungen bei den Fallzahlen im Asylwesen. Hierbei gilt jedoch, dass für Menschen im laufenden Asylprozess oder mit temporärem Schutzstatus stark reduzierte Ansätze (die sogenannte Asylsozialhilfe) gelten, welche weit unter den regulären SKOS-Richtlinien liegen. Zudem werden diese Kosten in den ersten Jahren durch Pauschalen des Bundes an die Kantone abgefedert, sodass das ordentliche Gemeindebudget entlastet bleibt.


4. Wohnungsknappheit: Die wahren Treiber sind Spekulation und Renditegier


Die Befürworter der Initiative machen die Zuwanderung für die explodierenden Mieten und den akuten Wohnungsmangel verantwortlich. Diese Ursachenanalyse der Initiative greift völlig zu kurz.


  • Finanzialisierung und Spekulation: Der Druck auf den Wohnungsmarkt entsteht massgeblich dadurch, dass Wohnraum in der Schweiz zu einem Renditeobjekt für grosse, renditeorientierte Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Fonds geworden ist. Altes, günstiges Wohnpotenzial wird systematisch aufgekauft, luxussaniert oder durch teure Neubauten ersetzt, um maximale Renditen einzufahren.


  • Wohnen als Spekulationsobjekt: Anstatt bezahlbaren Wohnraum für Familien und Normalverdienende zu schaffen, investiert der private Markt bevorzugt in das hochpreisige Segment. Ein Zuwanderungsstopp ändert nichts an dieser profitorientierten Logik des Immobilienmarktes – er würde den Betroffenen keine einzige bezahlbare Wohnung zurückbringen. Die Verknappung wird künstlich durch den Mangel an gemeinnützigem Wohnbau verschärft.


5. Zersiedelung: Ein Problem der Raumplanung, nicht der Bevölkerungszahl


Ein weiteres Kernargument des Ja-Lagers ist die Angst vor der «Zubetonierung» unserer Landschaft. Doch die voranschreitende Zersiedelung ist kein reines Problem der Bevölkerungsgrösse, sondern die direkte Folge einer jahrzehntelang verfehlten Raumplanung und veränderter Lebensgewohnheiten.


  • Wachsender Flächenverbrauch pro Kopf: Die beanspruchte Wohnfläche pro Person ist in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen (auf mittlerweile rund 46 Quadratmeter pro Kopf). Das bedeutet: Selbst bei einer stagnierenden Bevölkerungszahl würde der Raumbedarf wachsen, weil immer mehr Single-Haushalte entstehen und die Ansprüche an den individuellen Wohnraum steigen.


  • Innere Verdichtung statt Zersiedelung: Der Schutz unseres Kulturlandes und der Biodiversität wird nicht durch Grenzschliessungen erreicht, sondern durch die konsequente Umsetzung des revidierten Raumplanungsgesetzes (RPG). Die Lösung liegt in der inneren Verdichtung – also dem klugen Bauen in die Höhe und der Umnutzung von Industriebrachen innerhalb bestehender Bauzonen –, anstatt immer weiter in die Breite und in die Natur hineinzubauen.


6. Ein Bruch mit der humanitären Tradition und den Menschenrechten


Die Initiative verlangt, dass bei Annäherung an die Bevölkerungsgrenzen automatische Asylstopps und drastische Einschränkungen im Familiennachzug in Kraft treten. Damit rüttelt die Vorlage an den Grundwerten unseres Rechtsstaates.


  • Menschenrechte sind unverhandelbar: Ein pauschaler, mathematischer Aufnahmestopp für Geflüchtete steht in direktem, unauflösbarem Widerspruch zur Genfer Flüchtlingskonvention und zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Das absolute Rückschiebungsverbot geschützter Personen darf nicht von statistischen Schwellenwerten abhängig gemacht werden.


  • Das Parlament prüft Volksinitiativen im Vorfeld zwar auf die Einhaltung des zwingenden Völkerrechts (Ius cogens) – Verträge wie die EMRK oder das Asylrecht fallen rechtlich jedoch unter das «normale» Völkerrecht. Eine Initiative darf daher trotz dieses Konflikts zur Abstimmung zugelassen werden. Wird sie jedoch angenommen, droht ein massiver völkerrechtlicher Reputationsschaden und ein permanenter Verfassungsbruch im Alltag.


7. Einheit in der Vielfalt: Das Erfolgsmodell von 190 Nationen


Die Schweiz zeichnet sich seit jeher durch ihre Weltoffenheit und ihre Integrationskraft aus. Wir sind kein Land der homogenen Abschottung, sondern eine Willensnation, die aus der Vielfalt Kraft schöpft.


  • Ein Spiegel der Welt: In der Schweiz leben Menschen aus 190 verschiedenen Nationenerfolgreich und vorwiegend friedlich zusammen. Diese Internationalität ist der Motor für unseren Forschungsplatz, unsere Kultur und unsere globale Wettbewerbsfähigkeit.


  • Einwanderung aus der Nachbarschaft: Die Rhetorik der Befürworter schürt oft Ängste vor einer unkontrollierten globalen Völkerwanderung. Die nackten Zahlen des BFS zeigen jedoch: Über 80 % der ausländischen Wohnbevölkerung stammen aus Europa (EU/EFTA-Staaten). Es sind Menschen aus unseren Nachbarländern wie Italien, Deutschland, Portugal und Frankreich, die hier leben, unsere Werte teilen und das Fundament unseres Alltags mitgestalten.


8. Die demografische Realität: Das Wachstum bremst sich ab 2050 von alleine


Das Schreckgespenst einer unendlich wachsenden, «zubetonierten» 11- oder 12-Millionen-Schweiz hält einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Die langfristigen Bevölkerungsszenarien des BFS zeigen, dass sich das Wachstum bis zur Jahrhundertmitte drastisch einpendeln und danach sogar abnehmen wird.


  • Negatives biologisches Defizit: Betrachtet man ausschliesslich Menschen mit dem Schweizer Pass, ist die natürliche Geburtenbilanz (Geburten minus Todesfälle) bereits seit langem negativ. Die Geburtenrate liegt bei rund 1,3 bis 1,4 Kindern pro Frau – weit unter dem Wert von 2,1, der für den reinen Erhalt der Bevölkerungsgrösse nötig wäre. Dass die Zahl der Schweizer Bürger dennoch leicht wächst, liegt einzig an den jährlichen Einbürgerungen.


  • Der Wendepunkt der Generationen: Bis etwa 2040/2050 erreicht die geburtenstarke Generation der Babyboomer (die Jahrgänge bis 1964) das statistische Sterbealter. Danach folgt die Generation des sogenannten «Pillenknicks». Da ab 1965 infolge der Verbreitung der Antibabypille deutlich weniger Kinder geboren wurden, sind diese Jahrgänge massiv kleiner. Ab ca. 2050 schrumpfen die nachfolgenden Generationen so stark, dass die Bevölkerungsdichte auf ganz natürliche Weise signifikant abnehmen wird.


  • Austrocknung des europäischen Arbeitsmarktes: Gleichzeitig stehen unsere europäischen Nachbarländer vor genau derselben demografischen Schrumpfung. Ab 2050 wird das Potenzial an wanderungswilligen Fachkräften aus der EU versiegen, weil diese Länder ihre jungen Menschen selbst dringend benötigen. Die Zuwanderung wird somit ganz ohne Verbote drastisch abflachen.


9. Echte Lösungen statt Scheinlösungen


Die Sorgen der Bevölkerung bezüglich Dichtestress, steigender Mieten und überlasteter Infrastrukturen sind ernst zu nehmen. Doch die Initiative bietet keine Lösungen für diese Probleme. Lokale Beispiele zeigen, wie es besser geht.


  • Aktive Wohnpolitik statt Verbote: Im Kanton Basel-Stadt hat die Umsetzung von Initiativen wie dem «Recht auf Wohnen» oder dem Wohnschutz bewiesen, dass man den Immobilienmarkt durch Mietpreisdeckelungen bei Sanierungen und gezieltem genossenschaftlichem Wohnbau effektiv entlasten kann. Basel hat trotz eines hohen Ausländeranteils eine deutlich entspanntere Leerwohnungsquote als regulierungsfeindliche Städte wie Zürich.


  • Verantwortung der Wirtschaft: Statt die Grenzen zu schliessen, müssen wir die Arbeitgeber stärker in die Pflicht nehmen. Grosse Konzerne, die Fachkräfte ins Land holen, müssen sich über die Transformation ehemaliger Industrieareale (wie dem Klybeckplus-Areal in Basel) an der Schaffung von neuem Wohnraum und an der Finanzierung regionaler Infrastrukturen beteiligen.


Fazit: Ein klares NEIN am Abstimmungssonntag


Die 10-Millionen-Initiative ist ein gefährlicher Rückschritt. Sie bekämpft weder die Spekulation auf dem Mietmarkt, noch löst sie die Probleme der Raumplanung oder stärkt unsere Sozialwerke. Stattdessen gefährdet sie mutwillig das finanzielle Fundament unserer AHV, die Existenz unserer sozialen Netze, die Versorgung in unseren Spitälern und das internationale Ansehen der Schweiz.

Verteidigen wir das Erfolgsmodell einer offenen, solidarischen und wirtschaftlich stabilen Schweiz. Sagen wir am Abstimmungssonntag konsequent NEIN zur Nachhaltigkeits-Initiative.


Offizielle Quellen und Daten:


Um dich selbst von den wissenschaftlichen Fakten zu überzeugen, findest du hier die offiziellen Quellen, Statistiken und Berichte der Bundesverwaltung:


Zusammensetzung, Erwerbsquote & Kennzahlen zur Sozialhilfe:


Kennzahlen zur Entwicklung der Schweizer Sozialhilfehilfeempfänger:


Aktuelle Bevölkerungsdaten und demografische Trends:


Unabhängiger SRF-Faktencheck zur Vorlage:


Hintergründe zu den Herkunftsländern der Migration:

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